Neuro, Motion Trio, Miki Skuta, Co Streiff Trio, Muthspiel- Muthspiel, Viocal

Jazzclub Konstanz
Jazz & improvisierte zeitgenössische Musik in Konstanz (1989-2009)

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Der 24. Konstanzer Jazzherbst 2003 schaut nach Osteuropa

Neuro
Motion Trio
Miki Skuta
Co Streiff Trio
Viocal
Muthspiel- Muthspiel

Wir möchten mit dem 24. Konstanzer Jazzherbst das Interesse für Jazz aus dem Osten wecken und eine lustvolle Basis für dessen Verständnis und Wertschätzung schaffen.

"Inspiration Ost" soll aufzeigen, wie facettenreich das musikalische Schaffen im Bereich Jazz und improvisierte Musik aus dem Osten ist und wie sehr die für diese Länder typische Folklore nach wie vor eine Grundlage für deren zeit-genössische Entwicklungen ist. Daher haben wir Gruppen mit Musikern aus Finnland, Litauen, Weißrussland, Polen, Tschechien, Slowenien und Österreich zum 24. Jazzherbst zusammengeschmolzen.

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VIKLICKY QUARTETT

Zum Auftakt, Donnerstag, den 23. Oktober, spielt das VIKLICKY QUARTETT (Emil Viklicky, p, CZ, Jarmo Sermilä, tp, FIN, Heikki Nikula, bcl, FIN und Alex Svamberk, metals, CZ) die reine "Inspiration Ost" in einer emotional ansprechenden, spannenden und vielseitigen Ausdrucksweise, die ihres Gleichen sucht. Die vier Musiker, allesamt dem freien, improvisierten Jazz verschrieben, überzeugen durch ein virtuoses, fein abgestimmtes und mit viel Raum ausgestattetes Zusammenspiel. Die Musik wirkt mal kontemplativ, mal aufbrausend und spritzig, dabei verliert der Zuhörer nie den Faden und er wird von einer Stimmung in die andere getragen - eine Musik, voller Kontrast zwischen Nachdenken,Träumen und aufrüttelnder Spannung. Ihre heimatlichen, tschechischen und finnischen Wurzeln bringen die Musiker in besonders subtiler Weise in die Musik mit ein.

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MOTION TRIO

Die zweite Gruppe am ersten Abend ist MOTION TRIO aus Polen (Janusz Wojtarwicz, acc, Pawel Baranjek, acc und Marcin Galazyn, acc). Das polnische Akkordeon-Trio stellt sich hin und zieht die Zuhörer augenblicklich in den Bann. Nie hätte man sich vor Jahrzehnten vorstellen können, dass das musikalische Mosaik des Akkordeons noch so unvollständig war und dass wir heute ganz Neues aus diesem Instrument zu hören bekommen. Die drei Musiker bedienen ihre Instrumente auf rein akustischer Basis. Sie verzichten auf Sampling und Effektgeräusche und schaffen dadurch innovative Klänge, die ungewöhnlich beeindrucken. Das Trio überschreitet zuweilen die Grenze des bislang Gehörten im Akkordeonspiel und weicht - obgleich akademisch ausgebildet - wohltuend von der Steifheit der Konservatoriumsszene ab.

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MIKI SKUTA

MIKI SKUTA (SK) eröffnet den zweiten Abend, Freitag, den 24. Oktober mit "PIANO SOLO". Er pflegt einen sehr subtilen Umgang mit den Tasten, ist ideenreich und immer auf eine ungeahnte Wendung bedacht. Jedem Ton misst er eine besondere Bedeutung bei, akzentuiert mit überragendem Anschlag, verwendet das Mittel der Wiederholung, um den Hörer aufmerksamer zu machen und das Ohr für subtile Änderungen zu sensibilisieren. Er vertieft durch Wiederholungen mit sich fein entwickelnden Änderungen, die das Neue langsam hörbar werden lassen.

Melodien, vermeintlich bekannte, tauchen auf, werden wiederholend modifiziert bis andere melodische Assoziationen daraus entstehen können. Selten ein opulenter Ton in seinem Spiel, meist eher vorsichtig erarbeitend, dann erst den Zuhörer einnehmend. Gelegentlich genehmigt er rhythmische Erholungspausen, ständig wechselt er zwischen Zeitgenössischer Musik, Jazz und folkloristischen Anleihen. Ein Musiker mit starkem Willen, Musik zu gestalten und ihr sein Gepräge zu geben - weit ab von zeitgenössischem Trend oder gar musikalischer Unverbindlichkeit.

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STREIFF_MISCHULA_WEBER

Das Trio STREIFF_MISCHULA_WEBER (CH_BY_CH) beschließt den 2. Abend. Wir sind gespannt, was passieren wird, wenn in einem eigens für den Jazzherbst geschaffenen Projekt die "traditionellen" Jazzinstrumente Saxophon (Co Streiff, CH) und Bass (Christian Weber, CH) auf das Cymbalom (Olga Mischula, BY) treffen, in seiner Urform eines der ältesten Musikinstrumente der Menschheit. Vielen wird das Hackbrett eher aus der Folklore der Schweiz, Süddeutschlands, Österreichs, aber vor allem aus dem Balkan bekannt sein. Genau deshalb auch passt es in unseren Jazzherbst.

Und wenn eine Virtuosin wie die Weißrussin Olga Mischula die Schlegel schwingt und so glänzende Improvisatoren wie Co Streiff und Christian Weber mit im Spiel sind, lassen wir uns gerne und erwartungsfroh auf ein Experiment ein. Schließlich kennen wir Co seit vielen Jahren, haben sie verschiedentlich eingeladen, so zuletzt vor einem Jahr mit der Gruppe "Objets trouvés". In ihren eigenen Formationen fällt sie durch kraftvolles und rhythmisches Spiel auf. Danach gefragt was wir denn, wenigstens ungefähr, bei dieser Trio-Begegnung erwarten dürfen, meint Co Streiff: "Rythmische Kammermusik". Also wagen wir´s.

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MUTHSPIEL & MUTHSPIEL

Den dritten und letzten Abend des 24. Jazzherbstes, Samstag, den 25. Oktober eröffnen MUTHSPIEL & MUTHSPIEL (A & A) mit "early music".  Vor zwanzig Jahren konzertierten die beiden Brüder Wolfgang (git) und Christian Muthspiel (tb) zum ersten Mal als Duo. Seit dieser Zeit ist das Duo Drehscheibe für viele andere musikalische Aktivitäten. Der Titel ihres Jubiläumsprogramms "early music" ist in zweifacher Hinsicht zu verstehen: zum einen als Beschreibung der frühen, kindlichen Eindrücke auf musikalischem Gebiet, zum anderen aber als Hinweis auf frühe Musik der Geschichte, im speziellen auf die Chormusik der Renaissance, welche ein Spezialgebiet des Vaters war.

Die Ver- und Bearbeitung dieser prägenden Erfahrungen mit Hilfe der eigenständigen Klangwelt des Duos, die aufgrund des vielfältigen Instrumentariums und der Mischung aus akustischen und elektronischen Instrumenten eine breite Palette an Möglichkeiten zulässt, stellt den inhaltlichen Kern des Jubiläumsprogramms dar. Wolfgang Muthspiel spielte 1986 mit Gary Burton in dessen Quintett. Für seine außerordentliche Arbeit wurde er 1977 zum "österreichischen Jazzmusiker des Jahres" und, ganz aktuell, mit dem "European Jazz Prize 2003" ausgezeichnet.

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VIOCAL

Der Jazzherbst wird von VIOCAL (Petras Vysniauskas, s-sax, LIT, Katrin Mickiewicz, voc, vio, PL, Lutger Schmidt, cello, D und Klaus Kugel, dr, D) beendet. Das Quartett erschafft eine Musik, die in Ton und Form bisher ungehört ist. Sie ist neuartig-zeitgenössisch mit einer zentralen, wiederentdeckten spirituellen Sehnsucht, die eigenen Wurzeln pflegend. Aufbau und Instrumentalisierung klassifizieren die Klänge als Jazz, obwohl immer wieder Elemente aus der E-Musik eingearbeitet werden. Dies geschieht mit einer unglaublich überzeugend vorgetragenen Sensibilität.

Jedes Stück besitzt ein besonderes Profil, jedes mit einer eigentümlichen Ausstrahlung und Atmosphäre, getragen von den Kompositionsvorgaben ebenso wie von der Persönlichkeit und Spontaneität der Musiker. Dies alles verschmilzt bei VIOCAL zu einem archaischen Hör-Erlebnis. Ideale Aufführungsorte sind Kirchen, da Ruhe und Atmosphäre, die diese Gebäude ausstrahlen, wichtige Elemente der Musik von VIOCAL sind. Die vier Virtuosen erforschen mit ungewöhnlichen Mischklängen von Saxophon, Geige, Cello und Schlagzeug die Modernität slawischer Volksmusik und erweitern zeitgenössische Kammermusik mit beseelten Improvisationen.

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